Zivilschutz im Ernstfall: Warum immer mehr junge Menschen beim THW mitmachen wollen

Bad Segeberg, 24.09.2025. Der Bund modernisiert den Wehrdienst, doch nicht alle jungen Menschen wollen ihn leisten. Als Alternative gab es früher das Engagement beim THW. Der Ortsverband in Bad Segeberg verzeichnet jetzt schon eine größere Nachfrage.

Der Gesetzentwurf zur Modernisierung des Wehrdienstes ab 1. Januar 2026 ist beschlossen. Der Dienst in der Bundeswehr soll attraktiver werden. Noch setzt das Verteidigungsministerium auf Freiwilligkeit. Für alle, die keinen Dienst an der Waffe absolvieren möchten, bringt sich schon mal der Bad Segeberger Ortsverband des Technischen Hilfswerks (THW) in Position.

Die ersten Fragebögen, ob sie sich einen freiwilligen Wehrdienst vorstellen können, sollen an junge Männer ab dem Geburtsjahrgang 2007 verschickt werden. Ab dem 1. Juli 2027 sollen alle jungen Männer vom Geburtsjahrgang 2008 an verpflichtend gemustert werden. Für Mädchen gilt das nicht. Sie können sich dennoch freiwillig melden.

Gesteigertes Interesse der Eltern

Bis zur Abschaffung des alten Grundwehrdienstes zum 1. Juli 2011 war neben dem Zivildienst eine zeitliche Verpflichtung beim THW eine Alternative für alle, die nicht zur Bundeswehr wollten. Ob es auch diesmal so sein wird, ist unklar. Das Interesse am THW aber ist dennoch bereits gestiegen.

Das hat der Ortsverband unlängst bei einem „Kick-Off-Abend“ festgestellt. „Viele junge Erwachsene kamen, teilweise in Begleitung ihrer Eltern“, berichtet der Bad Segeberger Ortsbeauftragte Sascha Schmitz. Das sei früher anders gewesen. Dabei sei deutlich geworden: „Die Eltern machen sich Gedanken, wo die Reise für ihre Kinder hingehen wird. Viele hätten es gerne gesehen, wenn sich ihre Kinder hier bei uns engagieren würden“, erzählt Schmitz. Auch er ist seinerzeit als Ersatz für den Wehrdienst zum THW gekommen. Für acht Jahre musste er sich damals verpflichten. Er ist geblieben – wie die meisten, die sich zeitlich verpflichtet haben. 

Was ist das THW überhaupt?

Das THW ist eine ehrenamtliche Zivil- und Katastrophenschutzorganisation des Bundes und als solche eine Bundesbehörde des Innenministeriums. Die Aufgaben: Schutz der Bevölkerung und technische Hilfe bei Hochwasser, nach Erdbeben oder anderen Katastrophen im In- und Ausland, Bergung von Menschen und Tieren, Sicherung der Infrastruktur, Umweltschutz und logistische Unterstützung anderer Hilfsorganisationen. Und nicht zuletzt, denn das war der eigentliche Grund für die Gründung des THW im Jahr 1950: der Schutz der Zivilbevölkerung im Verteidigungsfall. 

Ich bin lieber in der lokalen Gefahrenabwehr als bei der Bundeswehr.
                                                         Mattis Herz (18)

„Die Anzahl unserer Einsätze ist nicht mit denen der Feuerwehren zu vergleichen. Der letzte war 2024, als in Rotenhahn ein Fahrzeug gegen eine Hauswand geschleudert wurde. Damit das Haus nicht einstürzt, haben wir das Treppenhaus abgestützt“, erzählt Axel Gülzow, der in Bad Segeberg für die Mitgliederwerbung zuständig ist. Auch bei Hochwasserlagen wie zuletzt in Lauenburg, auf Fehmarn und im Ahrtal sei der Bad Segeberger Ortsverband im Einsatz gewesen. Kürzlich hätten die Helfer ein Zelt für den Anti-Drogen-Zug „Revolution Train“ aufgebaut.

Beim Zeltaufbau durften auch Jugendliche mithelfen. Andere Einsätze aber sind für sie tabu. Dafür müssen sie die Grundausbildung absolviert haben und mindestens 18 Jahre alt sein. Aktuell zählt der Ortsverband 59 Erwachsene, darunter 14 Frauen. Sie treffen sich an jedem zweiten Samstag im Monat von 8 bis 18 Uhr zur Ausbildung vor Ort. Zwischendurch stehen Veranstaltungen und Lehrgänge auf dem Plan. 

Die Jugendabteilung zählt derzeit 30 Mitglieder. Unter ihnen sind zwei Mädchen. Spielerisch lernen sie, Werkzeuge zu gebrauchen, mit Bindetechniken Hilfsmittel zu bauen, und was es heißt, sich aufeinander verlassen zu können und verantwortungsbewusst miteinander umzugehen. Die Kinder und Jugendlichen treffen sich jeden Freitag von 18 bis 20 Uhr auf dem THW-Gelände in der Rosenstraße 18 a.

Unterschiedliche Beweggründe

Mattis Herz (18) und Flemming Hansen (16) haben die Jugendabteilung durchlaufen. Beide kommen aus Groß Rönnau. Mattis macht bereits bei den Erwachsenen mit, Flemming steht kurz davor. Ihre Beweggründe, beim THW mitzumachen, sind unterschiedlich. 

Für Mattis war das THW, dem er seit 2016 angehört, anfangs reiner Zeitvertreib. „Ich wollte etwas machen, um mein Selbstwertgefühl zu steigern. Technikaffin war ich eigentlich nie. Aber ich habe hier viel gelernt“, erzählt er. Auch wenn er 2006 geboren ist und keinen Fragebogen mehr zum freiwilligen Wehrdienst ausfüllen muss, hat er sich mit dem Thema auseinandergesetzt. „Dienst an der Waffe ist nicht meins. Da bin ich lieber in der lokalen Gefahrenabwehr als bei der Bundeswehr“, erzählt er. 

Flemming ist bei einer Öffentlichkeitsveranstaltung des THW auf den Geschmack gekommen. „Ich war schon immer technikinteressiert. Deshalb war die Entscheidung genau richtig. Ich schätze vor allem das Kameradschaftliche, habe hier viele Freunde gefunden“, sagt er.

Aktuell macht er über das THW seinen Sportbootführerschein. Auch den Lkw-Führerschein, Schweißscheine, Elektrofachlehrgänge können dort absolviert werden, außerdem der Umgang mit Gefahrgütern, Hygiene und Gesundheitsschutz. Axel Gülzow: „Bei uns lernt man Sachen, die man im täglichen Leben oder im Berufsalltag gebrauchen kann. Hier mitzuwirken, macht sich auch im Lebenslauf ganz gut.“ Wer sich dafür interessiert, findet weitere Infos unter www.thw-se.de. 

Bericht: Petra Dreu, LN – Lübecker Nachrichten