Hochwasserschutz: THW simuliert Schöpfwerk-Ausfall

Bad Segeberg/Raa-Besenbek, 27.02.-28.02.2026. Insgesamt 200 Einsatzkräfte des THW und des Katastrophenschutzes des Kreises Pinneberg haben am Sonnabend am Schöpfwerk Raa-Besenbek den Ausfall der Pumpen geübt. Das neue Konzept ist im Zuge der Nachbereitung des Einsatzes dort im Dezember 2023 entstanden.

Eine Woche lang waren die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer des technischen Hilfswerks (THW) im Dezember 2023 am Schöpfwerk in Raa-Besenbek (Kreis Pinneberg) im Einsatz. Die Pumpen des Werks waren ausgefallen und eine Fläche von mehr als 3.000 Hektar Land in der Elbmarsch war von einem Binnenhochwasser bedroht. Eine Ersatzpumpe aus den Niederlanden sorgte damals für Abhilfe. Bis die jedoch in Betrieb genommen werden konnte, war das THW rund um die Uhr im Einsatz.

THW entwickelte neues Einsatzkonzept 
Während des Einsatzes mussten die Ehrenamtlichen einige Probleme lösen. Sie konnten auf diese Weise viel aus der Situation lernen, erklärt THW-Fachberater Claus Böttcher. Im Zuge der Nachbereitung des Einsatzes haben das THW Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und der Bevölkerungsschutz des Kreises Pinneberg ein neues Konzept für Einsätze dieser Art entwickelt. Dieses wird jetzt in Raa-Besenbek geübt. Claus Böttcher ist der Leiter der Übung. Er ist seit 1980 beim THW aktiv, früher ehrenamtlich, mittlerweile hauptamtlich.

Kunststoffplatten schaffen befahrbare Fläche für Einsatzfahrzeuge
Im Gegensatz zu einem realen Einsatz bieten Übungen die Möglichkeit, simulierte Notfallsituationen zeitlich zu strecken, erklärt Böttcher im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein. Denn: Die gut 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Übung engagieren sich ehrenamtlich im THW und müssen außerhalb von realen Notfällen ihren Jobs nachgehen. Die gesamte Übung hat am Sonnabend (21.2.) mit der Befestigung des Bodens beim Schöpfwerk begonnen.

Ein zentrales Problem beim Ausfall des Schöpfwerks im Dezember 2023 war, dass der Boden aufgrund des Regens zu matschig für die Einsatzfahrzeuge war. Die Helferinnen und Helfer konnten deshalb nicht gleichzeitig an der Reparatur der Pumpen arbeiten und das ansteigende Wasser aus der Marsch pumpen. Bei der Übung jetzt haben die Helferinnen und Helfer daher Kunstoffplatten zusammengesteckt, sodass genug Platz für mehrere Einsatzfahrzeuge des THW vorhanden ist.

Pumpsystem mit besserer Förderleistung
Ein weiteres Problem beim Einsatz 2023 war die begrenzte Förderleistung des Notfall-Pumpsystems. Claus Böttcher erzählt: “Damals wurde lediglich ein Kubikmeter Wasser pro Sekunde gepumpt. Das ist zu wenig.” Bei der Übung werden verschiedene Pumpen in einer neuen Konstellation verwendet, sodass zwischen anderthalb und zweieinhalb Kubikmeter Wasser pro Sekunde abgepumpt werden können. “Der Wirkungsgrad der Pumpen erhöht sich so auf über 50 bis zu 70 Prozent. 2023 hatten wir gerade einmal 35 Prozent,” erklärt Claus Böttcher weiter.

Wichtige Übung für die Katastrophenhilfe
Die Übung in Raa-Besenbek ist dabei für die weitere Entwicklung der Katastrophenhilfe im ganzen Land interessant. Insgesamt gibt es in Schleswig-Holstein rund 350 Schöpfwerke, die alle etwa 50 Jahre alt sind. Ein Alter, das in Zukunft öfter zu Ausfällen führen kann, so Böttcher. Umso wichtiger sei es deshalb, dass die Ehrenamtlichen wissen, was im Notfall zu tun ist. Zudem erwartet der THW-Fachberater in Zukunft mehr starke Regenfälle, die die Schöpfwerke an ihre Kapazitätsgrenzen bringen können.

Neues Konzept über zwei Jahre ausgearbeitet
Böttcher zufolge diskutiert der THW-Landesverband seit der Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021, wer letztendlich die Einsätze bei Hochwasser beziehungsweise Hochwassergefahr koordiniert. Formal löst der Kreis und die zuständige Behörde den Einsatz aus, helfen müssen dann aber die Ehrenamtlichen des THW und der Feuerwehr. Deshalb sei es wichtig, dass die Katastrophenhelfer selbst wissen, was zu tun ist und im besten Fall auch an der Planung von Simulationen und Übungen, wie sie jetzt in Raa-Besenbek stattfinden, beteiligt sind.

Knapp zwei Jahre haben Claus Böttcher und seine Kollegen vom THW an dem neuen Konzept gearbeitet. Im vergangenen April haben sie sich mit dem für Bevölkerungsschutz zuständigen Innenministerium dazu ausgetauscht und wenig später das Vorgehen mit dem Umweltministerium besprochen. Seit November laufen die Planungen für die Übung in Raa-Besenbek, die Ehrenamtlichen des THW wurden kurz nach Weihnachten informiert.

Wasser muss durch gesamtes Pumpensystem fließen
Der Höhepunkt der Übung wird die Inbetriebnahme des Ersatzpumpen-Systems sein, erklärt Claus Böttcher. Sobald das Wasser dann einmal durch das gesamte System geflossen ist, sei die Übung auch schon wieder vorbei und alles kann zurückgebaut werden. Im Lauf des Sonntags soll der Abbau beendet sein.

Bericht: Pia Klaus, ndr.de